Dabei seit: 07.03.2005 Ort: - Alter: - Geschlecht:
Verfasst Mo 07.03.2005 09:31 Titel
Selbständigkeit: Weitere Fragen zum Thema Stundensätze
Hallo,
ich bin bisher als freier Mitarbeiter auf Abruf für kleine Agenturen und Prepress-Unternehmen tätig. Aber da die Nachfrage nach Freien wohl so mies bleibt, wie sie seit geraumer Zeit ist, muss ich mir nun ernsthaft Gedanken um die Akquise eigener Kunden machen. Zu einigen Aspekten sind bei mir noch Fragen offen, so dass ich mich freuen würde, wenn die Selbständigen unter euch ihre Meinung dazu kundtun könnten. Hier die Themen.
Unterschiedliche Stundensätze:
In einem Forumsbeitrag war von insg. drei verschiedenen Stundensätzen die Rede (leider nicht näher ausgeführt). Eigentlich hätte ich vor, lediglich einen einzigen Stundensatz für alle Leistungen zu nehmen (ca. 40,– Euro), da ich ja bestrebt bin, bei prinzipiell allen Leistungen und Tätigkeiten konzentriert und effizient bei der Sache zu sein. Auch laut AGD-Tarifvertrag soll ein und derselbe Stundensatz für alle Leistungen gelten. Ist das realistisch? Die Honorar-Empfehlungen des AGD gelten ja anscheinend für ein Parallel-Universum, das mit der Wirklichkeit, wie zumindest ich sie erlebe, kaum etwas zu tun hat.
Was Handlings- und Fahrtzeiten angeht, so wurde hier im Forum ein Kostenaufschlag von ca. 15% auf die Kalkulation genannt. Mir wäre das eigentlich zu ungenau, aber vielleicht ist das ja allgemein so üblich?
Angepasste Stundensätze:
Hier im Forum kann man auch lesen, dass man für unterschiedlich zahlungskräftige Kunden den zugrunde gelegten Stundensatz anpassen sollte. Bietet ihr einem Kleinkunden dann aufgrund eurer Einschätzung seiner Zahlungsbereitschaft von vorneherein einen geringeren Stundensatz an, ohne zu wissen, ob er nicht auch einen höheren bezahlen würde? Macht es nicht eher Sinn, das Angebot nach dem eigenen Standardsatz abzugeben und dem Kunden dann anzubieten, dass er die Summe nennt, die er zur Verfügung hat bzw. ausgeben möchte? Dann springt ja evtl. doch mehr dabei heraus, als wenn man gleich so niedrig angesetzt hätte.
Nutzungsrechte:
Stellt von euch jemand Nutzungsrechte für kreative Arbeiten in Rechnung? Lässt sich deren Berechtigung überhaupt vermitteln, insbesondere "kleinen" Kunden? Wie handhaben das eigentlich Designstudios und Werbeagenturen, vor allem dann, wenn sie für namhafte Auftraggeber arbeiten?
Druckabwicklung:
Gibt es eigentlich viele Kunden, die erwarten, dass man die Druckkosten übernimmt und ihnen dann mit auf die Rechnung setzt? Denn darauf würde ich mich auf gar keinen Fall einlassen wollen. (Wenn überhaupt, dann nur bei Kleinkram wie Briefbögen oder Visitenkarten im Preisbereich von ca. 100,– Euro.)
Für alle Antworten schon mal vielen Dank!
Gruß, Thomas
Zuletzt bearbeitet von thmemm am Mo 07.03.2005 09:33, insgesamt 2-mal bearbeitet
Dabei seit: 17.03.2003 Ort: Viersen Alter: 41 Geschlecht:
Verfasst Mo 07.03.2005 11:19 Titel
Ganz nüchtern: Man nimmt, was man kriegen kann.
Natürlich ist es schön mit einem Stundensatz durchs Leben zu gehen, in der Praxis muss man aber auch hier flexibel sein. Was man persönlich für sich erzielen kann, ist im Wesentlichen vom Willen des Kunden, den eigenen Fähigkeiten und dem eigenen Verhandlungsgeschick (sehr wichtig!) abhängig. Die wenigsten Kunden übernehmen einen Kostenvoranschlag ohne Rückfragen und Verhandlung.
Und wenn Sie es doch tun, fragt man sich halt, ob man nicht doch ein wenig zu günstig war ... Ansonsten muss man halt eiskalt verhandeln können, sonst bleibt man in diesem Geschäft wirklich arm.
Dabei seit: 07.03.2005 Ort: - Alter: - Geschlecht:
Verfasst Mo 07.03.2005 16:41 Titel
@Achim M.:
Ich persönlich halte ja nichts von dieser Basar-Mentalität, schon gar nicht dann, wenn ich einen fairen Preis abgebe. Aber nun gut, dann muss man halt von vorneherein ein höheres Angebot erstellen, wenn die Kunden damit glücklich sind, ein "Schnäppchen" zu machen und den Preis drücken zu können. Solange sie denn auch wirklich kommen und verhandeln möchten: Ich habe es schon erlebt, dass ich auf Angebote überhaupt keine Reaktion mehr erhalten habe, trotz durchaus moderater Kalkulation.
Dabei seit: 09.12.2002 Ort: Altkaiserreich Koblenz WW Alter: 36 Geschlecht:
Verfasst Mo 07.03.2005 16:44 Titel
Wie schon von Achim und auch mir zig mal gesagt:
Nimmt der Kunde es sofort, dann warst du zu billig.
Will der Kunde Handeln und nimmt es dann, lagst du richtig.
Meldet sich der Kunde nie wieder, so warst du zu teuer.
Das ganze ist immer ein kleines Lotteriespiel.
Wer nichts wagt, der nicht gewinnt.
Wer zu viel wagt, kann böse auf die Schnauze fliegen.
Dabei seit: 26.05.2004 Ort: zwischen Köln und D'dorf Alter: 34 Geschlecht:
Verfasst Mo 07.03.2005 16:47 Titel
thmemm hat geschrieben:
@Achim M.:
Ich persönlich halte ja nichts von dieser Basar-Mentalität, schon gar nicht dann, wenn ich einen fairen Preis abgebe. Aber nun gut, dann muss man halt von vorneherein ein höheres Angebot erstellen, wenn die Kunden damit glücklich sind, ein "Schnäppchen" zu machen und den Preis drücken zu können. Solange sie denn auch wirklich kommen und verhandeln möchten: Ich habe es schon erlebt, dass ich auf Angebote überhaupt keine Reaktion mehr erhalten habe, trotz durchaus moderater Kalkulation.
Gruß, Thomas
Das ist auch eine Sache des Nachfassens. Das gehört in meinen Augen einfach dazu, nach ein paar Tagen anzurufen, zu fragen , ob alles in Ordnung und verständlich gewesen sei etc.
Dabei seit: 23.02.2005 Ort: - Alter: - Geschlecht: -
Verfasst Mo 07.03.2005 20:23 Titel
Macht ihr alles über Stundensätze? Die meisten Kunden wollen doch sicher einen recht genauen Kostenvoranschlag - ich finde es immer besonders schwer eine kreative Arbeit zu kalkulieren tendiere aber eher zu fixen Preisen die sich nur bei groben Änderungen am Auftragsumfang ändern können.
Ansonsten hängt der Wert deiner Arbeit hauptsächlich von 4 Faktoren ab.
Wie kannst du dich/bzw deine Arbeit präsentieren,
was ist dem Kunden die Arbeit wert,
deinen vorzeigbaren Ergebnissen,
der Konkurrenz.
Zitat:
Nimmt der Kunde es sofort, dann warst du zu billig.
Will der Kunde Handeln und nimmt es dann, lagst du richtig.
Meldet sich der Kunde nie wieder, so warst du zu teuer.
Auch der Kunde verschätzt sich oft genug, der hat ja meist weniger Ahnung von deiner Arbeit als du selbst (hoffentlich).
Wenn ich für einen Künstler etwas mache kann ich nicht das gleiche verlangen wie bei einem florierenden Unternehmen
Letztenendes kann man den Wert der eigenen Arbeit nur von Fall zu Fall festlegen und muss dann hoffen den richtigen Punkt getroffen zu haben bei dem du richtig gut verdienst und der Kunde mit dem Gefühl nach hause geht dich übers Ohr gehaun zu haben
mfg
a7
Zuletzt bearbeitet von a7 am Mo 07.03.2005 20:29, insgesamt 1-mal bearbeitet
Dabei seit: 17.03.2003 Ort: Viersen Alter: 41 Geschlecht:
Verfasst Mo 07.03.2005 23:49 Titel
thmemm hat geschrieben:
@Achim M.:
Ich persönlich halte ja nichts von dieser Basar-Mentalität, schon gar nicht dann, wenn ich einen fairen Preis abgebe. Aber nun gut, dann muss man halt von vorneherein ein höheres Angebot erstellen, wenn die Kunden damit glücklich sind, ein "Schnäppchen" zu machen und den Preis drücken zu können. Solange sie denn auch wirklich kommen und verhandeln möchten: Ich habe es schon erlebt, dass ich auf Angebote überhaupt keine Reaktion mehr erhalten habe, trotz durchaus moderater Kalkulation.
Gruß, Thomas
Mit Basar hat das überhaupt nichts zu tun sondern mit Marktwirtschaft. Jeder möchte zum besten Preis-/Leistungsverhältnis verkaufen bzw. kaufen.
Viele Faktoren können die Preisgestaltung beeinflussen:
Stehe ich im Wettbewerb mit anderen Konkurrenten oder ist dies ein langjähriger Kunde?
Arbeite ich direkt für einen Kunden oder für eine Agentur, die meine Leistungen weiterverkauft und auch noch etwas daran verdienen will?
Gelegenheits- oder Hauptkunde, der Maßgeblich zum Jahresumsatz beiträgt.
Mischkalkulation - Ich verkaufe günstiges Design und verdiene an der Anzeigen- oder Druckprovision (möchtest Du aber wohl nicht machen).
Wenn Du eine gesunde Mischung verschiedenster Kunde hast, die Dir im Jahresschnitt den gewünschten Stundenlohn verschaffen, dann hast Du es geschafft. Alles andere scheint mir bei der derzeitigen Marktsituation illusorisch.
Gruß
Achim
P.S.: Wie Nimroy schon richtig schreibt, nicht vergessen, nach jedem Angebot nachzufassen. Sonst erfährt man nie, warum man den Zuschlag nicht bekommen hat.
Dabei seit: 09.12.2002 Ort: Altkaiserreich Koblenz WW Alter: 36 Geschlecht:
Verfasst Di 08.03.2005 01:11 Titel
a7 hat geschrieben:
Macht ihr alles über Stundensätze? Die meisten Kunden wollen doch sicher einen recht genauen Kostenvoranschlag - ich finde es immer besonders schwer eine kreative Arbeit zu kalkulieren tendiere aber eher zu fixen Preisen die sich nur bei groben Änderungen am Auftragsumfang ändern können.
Ansonsten hängt der Wert deiner Arbeit hauptsächlich von 4 Faktoren ab.
Wie kannst du dich/bzw deine Arbeit präsentieren,
was ist dem Kunden die Arbeit wert,
deinen vorzeigbaren Ergebnissen,
der Konkurrenz.
Ja, das sind schon wichtige Punkte.
Ob ich einen Preis pauschal oder nach Stunden mache, hängt
ganz vom Produkt ab. Mir ist eine Abrechnung nach Stunden
immer lieber. Da freut sich der Kunde, wenn es günstiger wurde,
als geschätzt und ich freue mich, wenn ich mich zeitlich
verschätzt habe und die Mehrstunden berechnen kann.
Bei Pauschalpreisen kann man sich gut verhauen: Angenommen
du rechnest für eine Arbeit 10 Stunden, benötigst aber dann 20.
Dumm gelaufen und 10 Stunden verschenkt.
Bei Arbeiten wie CI, Briefbögen setzen, Drucken, Aufklebern,
etc. lässt sich recht gut und einfach ein Pauschalpreis machen.
Geht es jedeoch darum einen Katalog oder umfangreichen
Prospekt zu setzen, dann ist mir eine Abrechnung nach
Stunden lieber, da das schwer einschätzbare Arbeiten sind.
Es hängt auch immer vom Kunden ab. Der eine will lieber
Dies, der andere Das. Wie immer.
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