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Thema: Der allgemeine HipHop-Thread vom 08.01.2007


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Mischpult

Dabei seit: 19.11.2003
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Geschlecht: Männlich
Verfasst So 31.08.2008 13:01
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throw hat geschrieben:
http://www.pottweiler.de/

free download von manuellsen neuem album...


Danke.
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airball

Dabei seit: 28.08.2002
Ort: BHV / HH
Alter: 30
Geschlecht: Männlich
Verfasst So 31.08.2008 13:04
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Mischpult hat geschrieben:
throw hat geschrieben:
http://www.pottweiler.de/

free download von manuellsen neuem album...


Danke.


Yeah, danke.
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throw

Dabei seit: 14.09.2005
Ort: Hallefornien
Alter: 29
Geschlecht: Männlich
Verfasst So 31.08.2008 13:07
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geniales ding...

aber nun rappt er ja nicht mehr:
http://rap.de/news/3549
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waldster

Dabei seit: 21.12.2004
Ort: Bielefeld/Stuttgart
Alter: 36
Geschlecht: Männlich
Verfasst So 31.08.2008 13:26
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Mich frisst das neue von Marsimoto/Marteria nochn bisschen mehr:

Jack Hate ihm seine Todesliste
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throw

Dabei seit: 14.09.2005
Ort: Hallefornien
Alter: 29
Geschlecht: Männlich
Verfasst Di 09.09.2008 19:51
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sehr sehr gut:

Zitat:

"Der Wolf im Hühnerstall"

Pro7 war gerade auf der Suche nach neuen Popstars und lud mich ins Bandhaus ein, in dem sie die Mädels untergebracht hatten. Senna, die es später als eine von drei Mädchen in die Band Monrose schaffte, hatte den Produzenten erzählt, dass sie mich kennen würde, also dachten sie sich: Holen wir uns mal einen Gangster-Rapper in die Show, damit unsere Küken schon mal ein bisschen Starluft schnuppern können.

Senna hatte ich zwei Jahre zuvor – 2004 – über meinen Soundmann Marko kennengelernt, als ich in der Frankfurter Batschkapp ein Konzert gab. Sie kam vorbei und ich ließ sie sofort wieder rausschmeißen. Wir hatten gerade Soundcheck und ich sagte durchs Mikrofon, dass alle, die nicht direkt zur Crew gehören würden, bitte die Halle verlassen sollten. Alle gingen, bis auf ein Mädchen, die sich betont lässig an die Wand lehnte.
»Ey, du. Raus hier!«, rief ich ihr zu. Ich hörte nur irgendwas von wegen »Alda, isch gehör hiäh dazu. Isch bin die Sähnna. Isch hab dis alles getschäckt, weißte was isch mein«. Und das alles in diesem komischen Frankfurter Dialekt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Zehn Sekunden später begleitete meine Security die Dame höflich nach draußen. So viel dazu.

Senna war mir egal. Der einzige Grund, ins Bandhaus zu gehen, war, dass ich ein paar der Ollen klären wollte. Als ich dort ankam, fühlte ich mich wie ein Wolf, den man in einen Schafstall gesteckt hatte. Die kleinen Schäfchen drehten komplett durch, als sie mich sahen. Zwei Minuten Smalltalk hier, zwei Minuten dort – so ging es die ganze Zeit. Die Mädchen benahmen sich wie dumme Hühner auf der Stange. Wenn keine Kameras dabei gewesen wären, hätte ich auf der Stelle vier oder fünf von ihnen nageln können, ich schwöre es. Natürlich versuchten die gackernden Hühner vor mir ein bisschen auf Diva zu machen, aber als ich um die Ecke bog, ging das Gekreische los. Senna war richtig übertrieben eifersüchtig. Immer wenn ich mit einem der Mädchen flirtete, machte sie übelst Terror und stellte sich mit einer Riesenfresse und verschränkten Armen neben mich – Zickenkrieg de luxe. Ich musste immer irgendwelche Tricks anwenden, um Senna abzulenken, damit ich undercover die Handynummern der Mädels abchecken konnte. So lernte ich auch Kristina, Eliana und Elvira kennen.

Wie ich drei verlorene Seelen rettete

Eine Mädchenband zu gründen, ist keine große Sache, dachte ich. Monrose zeichnen sich ja auch nicht dadurch aus, irgendetwas Besonderes oder Einzigartiges zu haben. Der einzige Grund, warum die einigermaßen erfolgreich sind, ist, dass sie durch die Popstars-Marketing-Maschinerie bekannt gemacht wurden. Im Endeffekt kommt ein Produkt heraus, das von den Kids gekauft wird. Ob die Mitglieder der Band Senna, Bahar und Mandy oder Tina, Dörte und Manuela heißen, ist erst einmal nebensächlich. Im Prinzip könnte man die Drei jederzeit austauschen – es würde nicht einmal auffallen. Hat man ja bei den Sugababes gesehen. Erinnert sich da noch irgendwer an die Originalbesetzung? Die Musik wird ohnehin so produziert, dass sie von jedem Mädchen, das einigermaßen talentiert ist, gesungen werden kann.

Als ich im Herbst 2006 Kristina, Eliana und Elvira auf der The-Dome-Aftershowparty in Düsseldorf traf, kam mir die Idee: Wieso nimmst du nicht diese drei Mädchen und gründest deine eigene Girlgroup? Dieser Nevio hatte auch nur den vierten Platz bei Deutschland sucht den Superstar belegt, trotzdem stieg sein Album ein Jahr später in die Top 5 der deutschen Charts ein und machte damit eine kleine Welle. Ein Jahr später!

Die Mädchen standen allein in der Ecke herum und niemand redete mit ihnen. Klar, sie gehörten nicht zu den Gewinnern, wieso also sollte sich überhaupt jemand um sie kümmern? That's Showbiz. Im Gegenteil, es interessierte sich kein Schwein für sie. Sie leerten Glas um Glas und ertränkten ihre geplatzten Träume im Alkohol. Nur ein paar Meter weiter stand die ganze Popstars-Entourage: Monrose, Detlef »D« Sost und irgendwelche wichtigen Musikmanager. Sie würdigten die anderen Teilnehmerinnen keines Blickes und taten so, als würden sie diese überhaupt nicht mehr kennen. Was für ein Business. Dieser »D« war der schlimmste Speichellecker von allen. Sobald die Kamera an war, spielte er den lieben, knuddeligen Teddybär, der sich um »seine« Mädchen kümmerte. Einen Augenblick später, als das rote Lämpchen der Kamera erlosch, waren sie ihm schon egal. Nicht umsonst gehört Heuchelei zu den sieben Todsünden. Was für ein ekelhafter Typ.

Ein paar Monate später trafen wir ihn zufällig wieder – auch bei einer The-Dome-Veranstaltung. Sein Problem ist ja, dass er sich wirklich für wahnsinnig cool hält. Dabei hat jeder dritte Bahnhofspenner mehr Style als er. Und so einer schimpft sich auch noch Berliner – wie peinlich. Auf jeden Fall gab »D« gerade ein Interview, als sich mein Kumpel Ari direkt neben ihn stellte und ihm ganz leise »Du Hund!« ins Ohr flüsterte. Einfach so. Immer wieder: Du Hund! – du Hund! – du Hund! »D« traute sich nichts zu sagen, auch weil er sah, wie ich ihn mit eisernem Blick anstarrte. Er wurde sichtlich nervös und fing an, seine Sätze zu verschlucken, weil er ja immer noch mitten im Interview war. Ari machte das Spielchen bestimmt zehnmal, bis „D“ irgendwann der Kragen platzte und er sich wie eine beleidigte Leberwurst wegdrehte. Doch bevor er sich beschweren konnte, gab ihm Ari schon die erste Nackenschelle. Der Klatscher schallte durch den ganzen Korridor. Übelst lustig. Später fragte ich Ari, ob die Schelle vor allen Leuten denn wirklich sein musste.
»Natürlich, Bu«, regte sich Ari auf. »So wie der die armen Kinder immer im Fernsehen fertig macht. Der sollte mal schön am eigenen Leib erleben, was das für ein Gefühl ist, diese Prima-Ballerina.«

Zurück zu meinen Mädels. Sie taten mir ein wenig leid, also ging ich auf sie zu und chillte mit ihnen. Kristina und Elvira waren absolut geflasht davon, dass ich mich für sie interessierte. Sie waren total aufgeregt und verschluckten sich ständig an ihrem Wodka.
»Wenn ihr wollt, mache ich euch mal einen Beat oder ihr kommt nach Berlin und wir nehmen einen Song auf«, meinte ich spontan. »Was sagt ihr?«
Die beiden standen nur da und guckten mich regungslos an.
»Haaaaallo?«, winkte ich ihnen zu und fing an zu lachen.
Es hatte ihnen sprichwörtlich die Sprache verschlagen. Als sie merkten, dass ich es ernst meinte, fingen sie erstmal an, laut zu kreischen und mit den Händen zu flattern. Was sollte das denn? Natürlich drehten sich alle zu uns um, um zu schauen, was da los war. Nach einem weiteren Schluck von ihrem Drink beruhigten sie sich zum Glück wieder, wir tauschten Telefonnummern aus und ich gab ihnen noch etwas Geld für die Heimfahrt mit. Die Mädels waren total pleite und hatten nicht mal mehr Kohle für Zugtickets. Bushido – Retter in der Not. Also ging ich die Geschichte an.

Ein paar Tage später im Café. Es lief gerade ein Fußballspiel auf Premiere, als ich zu Ari meinte: »Atze, ich hab´ 'ne Idee.«
»Was’n?«, antwortete er, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen.
»Lass uns mal eine Girlgroup machen!«
»Mit wem denn?«, brummte Ari zurück.
»Kristina, Eliana und Elvira.«
»Die von Popstars?«
»Yap!«
Ari überlegte eine Weile, dann nuschelte er unbeeindruckt ein »Hmm, okay« vor sich hin.
Ich grinste. Damit war es beschlossene Sache. Als Arbeitstitel entschieden wir uns für Marilyns, wegen Marilyn Monroe und der Anspielung auf Monrose. Später fanden wir Bisou dann doch ein bisschen cooler. Ich gründete also eine Girlgroup. Ganz ehrlich: Was für eine Schnapsidee!

Einige Wochen später brach ein regelrechtes Bisou-Fieber aus. Jeder steckte jeden damit an. Es war unglaublich. Ich schickte eine Demoversion ihrer Single Die erste Träne an die Macher von TheDome und bekam prompt einen Rückruf von einer aufgeregten Redakteurin. Obwohl zu dem Zeitpunkt weder der Name öffentlich kommuniziert wurde noch bekannt war, welche Mädchen in der Band singen würden, sicherten sie mir einen Auftritt beim kommenden Dome in Mannheim zu. Aber nicht nur das: Wegen meiner Mädchen luden sie sogar Sido wieder aus, der die Show eigentlich hätte moderieren sollen. »Sido kann gern moderieren«, sagte ich knallhart. »Nur dann bin ich beim nächsten Dome einfach krank. So einfach ist das. Und falls Sido auf der Bühne irgendetwas Schlechtes über meine Mädchen sagt, bekommt er auf der Stelle und vor laufenden Kameras von mir auf die Fresse. Ihr könnt jetzt ja mal überlegen, was euch lieber ist.«

Natürlich guckten die erstmal blöd aus der Wäsche, weil ich ohnehin der Einzige bin, der solche Ansagen macht. Die anderen Rapper kuschen doch nur und ziehen den Schwanz ein, wenn es darum geht, ins Fernsehen zu kommen. Am Ende bekam ich alles, was ich wollte. Dazu kam sogar, dass sie Die erste Träne auch für ihre The Dome-Compilation haben wollten. Noch nie schaffte es ein Song auf diesen Sampler, bevor er überhaupt veröffentlicht wurde. Auch meine Freunde der Bravo spielten mit. Bisou bekamen eine Cover-Geschichte, obwohl noch nichts von ihnen auf dem Markt war: Kein Album, kein Video, es gab kein Radio-Airplay – nichts! Alle drehten nur deswegen durch, weil sie meine Mädchen waren. Schon krass.

Tic Tac Wer?

März 2007. Pressekonferenz mit Bisou in der Mannheimer SAP-Arena. Zum ersten Mal präsentierte ich meine Girlgroup der Öffentlichkeit und alle kamen: RTL, Pro7, Sat 1, RTL 2, ARD, ZDF und so weiter. Die Mädchen saßen auf einer Couch, ich chillte neben ihnen in einem Sessel. Es war noch ziemlich früh, circa 10 Uhr morgens. Eigentlich eine unmenschliche Zeit für mich, um schon wach zu sein, aber ich hatte meine schwarze Ray-Ban-Sonnenbrille auf, so konnte niemand meine Augenringe sehen. Natürlich richteten sich die meisten Fragen der Journalisten an mich. War ja klar. Irgendwann meldete sich ein etwas dickliches Mädchen aus der Mitte des Raumes. Sie wollte von mir wissen, wie es denn sei, als Rapper eine eigene Mädchenband zu haben. Allerdings verwechselte sie mich mit Sido. Im Raum wurde es still. Alle drehten sich zu ihr um – gespannt darauf, was nun passieren würde. Ich schaute mir das Mädchen etwas genauer an und musste lachen. Die Olle, die mich mit Sido verwechselt hatte, hieß Jazzy und war früher ein Mitglied von Tic Tac Toe. Falls ihr euch nicht mehr erinnern könnt, deren Songs hatten so tolle Namen wie Ich find dich scheiße, Leck mich am A, B, Zeh oder Verpiss dich. Cool, wa? Mittlerweile arbeitete die Tussi anscheinend als rasende Musik-Reporterin. »Kein Problem, Ricky«, schmunzelte ich.
Erst jetzt begriff sie, warum alle im Raum lachten. Sie wurde rot wie eine Tomate. Scheiße, war das peinlich für sie. »Ich weiß ja nicht, ob du bei der richtigen Pressekonferenz bist, aber mein Name ist Bushido«, legte ich nach und beantwortete ihre Frage. Sie wäre am liebsten im Erdboden versunken.

Später stand Jazzy im Flur, Handy am Ohr und spielte Mrs. Wichtig. Ein gefundenes Fressen für Kay. Er lief um sie herum, nahm seine Sonnenbrille ab und klopfte ihr auf die Schulter.
»Hey, du. Dich kenne ich doch!«, grinste er.
Sie schaute kurz hoch, drehte sich aber sofort wieder weg.
»Du bist doch von Tic Tac Toe.«
Jazzy tat auf supercool und zuckte nur mit den Achseln. Ich konnte ihre Gedanken lesen: »Leck mich am Arsch, du Idiot!«
»Jetzt weiß ich's. Du bist Ricky!«
Jazzy schüttelte genervt den Kopf. Das sollte wohl ein Nein bedeuten.
»Oh, dann lass mich überlegen. Wie hieß die andere Olle, die auch mal 'ne Hure war?«, fragte Kay in die Runde, kam aber sofort selbst drauf.
»Du bist Lee!«
Jazzy reagierte schon gar nicht mehr.
»Fuck, wie hieß denn die dritte nochmal?«, grübelte Kay laut vor sich und rieb sich mit dem Finger unter der Nase – so wie Wicky, der Wikinger. Dann schnipste er in die Luft.
»Haa, ich habs: Du bist Jazzy.«
Bingo.
Endlich lag auch mal ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht. Trotzdem machte sie weiter auf cool und meinte, dass sie schon lange nicht mehr bei Tic Tac Toe sei, weil sie auf diese ganze Musikindustrie-Scheiße einfach keinen Bock mehr habe. Nyze, der die ganze Zeit mit verschränkten Armen lässig an der Wand lehnte und Jazzy durch seine schwarze Terminator-Brille beobachtete, meinte trocken und ohne eine Miene zu verziehen: »Vielleicht hatte die Scheiß-Musik-Industrie auch einfach keinen Bock mehr auf dich. Schon mal daran gedacht?« Baam! Das hatte gesessen. Jazzys Gesicht fror auf der Stelle ein. Michi, Fotograf der Bravo und ein guter Kumpel von mir, gab ihr dann noch den Todesstoß.
»Sie wollte sich halt nicht von Neger-Kalle, ihrem Manager, flachlegen lassen«, meinte er trocken.
Tosendes Gelächter. Das arme Mädchen! Jazzy war bedient und zog beleidigt ab.
»Ach, herrlich«, lachte ich und umarmte meine Jungs. »Genau deswegen werden wir von den Leuten so geliebt. Immer schön pöbeln!«
Wenigstens hatte ich wieder gute Laune.

Einen Tag später. Die SAP-Arena in Mannheim war mit 11 000 Zuschauern komplett ausverkauft. Tony und Hamoudi kamen extra aus Berlin. Den Spaß wollten sie sich nicht entgehen lassen. Unsere Opfer hatten auch Namen: Senna und Sido. Der Maskenmann war mir eigentlich ziemlich egal. Es gab auch keinen aktuellen Streit mit ihm. Trotzdem, immer wenn die Aggros irgendwo auftauchen, herrscht eine angespannte Atmosphäre. Passieren konnte ja immer etwas. Bei Senna sah die Situation schon anders aus. Sie hatte ein paar Tage zuvor der Bild am Sonntag ein Interview gegeben, in dem sie Interna über Bisou ausplauderte, was ich verständlicherweise nicht so richtig cool fand. Mit ihr hatte ich also einen konkreten Grund, ein Hühnchen zu rupfen. Wir machten uns aber erstmal locker und versuchten zu chillen – was bei so einer skurrilen Veranstaltung wie The Dome gar nicht so einfach ist.

Die Künstlergarderoben waren wie kleine Affenkäfige. Pro Gang gab es vier Stück, die auf jeden Fall nicht für Leute mit Klaustrophobie konzipiert worden waren. Mich quartierten sie neben Kim Frank ein, dem ehemaligen Sänger von Echt. Gegenüber befanden sich die Kabinen von Bisou, wobei auf dem Schild lediglich Bushidos Girlgroup stand und Dancehall, so eine komische Combo aus Jamaika. Nyze hatte sie, gleich nachdem wir angekommen waren, beschimpft und eine Bananenschale in ihre Garderobe geworfen. Danach gingen sie uns den ganzen Abend aus dem Weg. Die Rastas hatten mächtig Schiss in der Hose. Hehe.

Irgendwie mussten wir unsere freie Zeit überbrücken, also schickten wir Kay rüber zu Kim Frank. Kay, der Spast, rüttelte so lange an der Tür, bis diese fast auseinanderfiel. Das waren ja alles nur so zusammengesteckte Kästen, die nicht wirklich stabil waren.
»Kim, komm raus! Ich weiß, dass du da bist!«
Unser Thaiboy lief zur Hochform auf. Kim, völlig eingeschüchtert, machte die Tür einen Spalt auf, linste durch die Ritze und sah einen Typen, der mit abrasierten Haaren, schwarzer Sonnenbrille und Lederjacke vor ihm stand und ihn grimmig anschaute.
»Hey Kim, gib mir ein Autogramm!«, rief Kay.
Doch Kim bat um etwas Ruhe, weil er sich auf seinen Auftritt vorbereiten wollte. Er versuchte deshalb, so schnell wie möglich die Tür wieder zu schließen.
Kay stellte schnell seinen Fuß dazwischen und nahm seine Brille ab.
»Ach komm, Alter. Ich bin ein großer Fan von dir. Wirklich.«
Kim lächelte ein wenig.
»Ja, Mann«, sagte Kay. »Echt schade, dass es Die dritte Generation nicht mehr gibt!«
»Ähhh, seine Band hieß aber Echt«, sagte irgendein Typ, der zufällig im Gang stand und das Gespräch mitanhörte.
»Wirklich? Hmm, kenn ich gar nicht. Krieg ich trotzdem ein Autogramm?«, fragte Kay.
Kim griff nach einem Edding und einer Autogrammkarte, die auf dem Tisch lagen.
»Ich heiße Luwig-Theodor.«

Später chillten wir auf dem Gang vor unserer Garderobe und warteten auf Nyze, der noch auf dem Klo war. Auf einmal stand Dero, der Sänger von Oomph! vor uns. Er blieb stehen und schaute uns an.
»Hey Jungs«, sagte er. »Ihr seid richtig cool. Echt Respekt, wie ihr euer Ding durchzieht!«
Wir guckten uns kurz an, denn wir waren im ersten Moment nicht sicher, wie er es gemeint hatte. Ich musterte ihn etwas genauer. Er hatte seine schwarzen Haare zu vielen kleinen Stacheln zusammengegelt, trug schwarze Schminke im Gesicht und eine alte Nieten-Lederjacke. Tony fand ihn sofort atzig und schlug mit ihm ein. Die anderen Jungs glotzten nur blöd, denn sie interessierten sich nicht sonderlich für Rockmusik und hatten von Oomph! auch noch nie etwas gehört.
»Bushido, was ist denn das für ein Vogel?«, fragte mich Nyze, als er vom Scheißen zurückkam.
»Der ist cool«, meinte ich. »Er macht zwar behinderte Mucke, ist aber ein Atze. Die hatten mal ein Video, das von MTV boykottiert wurde, weil darin eine Omi und ein Opi gevögelt haben und auf den Plakaten zur Single ein harter Schwanz abgebildet war.«
»Echt?«, lachte Nyze.»Cool!«
»Auf jeden. Ich glaube, die durften letztes Jahr auch nicht zum Echo kommen, weil die für RTL zu krass waren.«
»Korrekte Jungs also!«, nickte Nyze anerkennend.

Plötzlich sagte Tony zu Kay, dass er einen Freestyle machen sollte.
»Nee, keine Lust«, antwortete Kay, der aber schon irgendwie wusste, dass er keine Wahl hatte.
»Soldat, mach sofort einen Freestyle!«, befahl Tony in einem schärferen Ton. »Du machst jetzt ein Battle gegen meinen Freund hier«, und Tony zeigte auf den Typen von Oomph!, der auch noch zustimmend nickte. Philippe machte Beatbox und die Kay-Show begann:

Philippe, gib mir den Shit, ich hab 'nen krassen Reim
Guck mich an, ich bin fresh, Mann, du Stachelschwein
Oh, Scheiße, mein Schwanz ist 'ne Pumpgun
Alles klar, Mann?
Ich pack dich am Spiegel
Fick auf deine Mutter, Homie, Mann, du Igel
Nur Spaß, Mann. Ich hab’s mir eingeprägt
Gib Mir 5! (Kay hielt ihm die Hand hin, zog sie aber wieder weg, als der Dero einschlagen wollte!) Hundesohn! (Kay zeigte ihm den Ficker) Reingelegt!

Oh krass. Kay nannte ihn Hundesohn, beleidigte seine Mutter und zeigte ihm den Ficker. Alles in nur 15 Sekunden. Wir mussten übelst lachen, weil es echt witzig gewesen war. Trotzdem hätte ich es verstanden, wenn Dero Kay auf der Stelle eine aufs Maul gegeben hätte. Kay hatte wirklich übertrieben. Aber er war cool und fand es auch gar nicht so schlimm.
Kay und er verabredeten sich später noch zum Saufen auf der Aftershowparty. Alles gut.

Auf dem Weg zum Catering lief uns Liza Li über den Weg. Ein Mädchen, das eigentlich schon weg vom Fenster war. Keine Ahnung, was die beim Dome zu suchen hatte. Sie trug so eine Art Bauarbeiterkostüm und hatte ihre Haare zu zwei Pippi-Langstrumpf-Zöpfen geflochten. Ich konnte nicht anders und griff nach einem Zopf, als sie an mir vorbeiging. Die Kleine wäre fast auf die Fresse geflogen. Als sie dann aber sah, wer ich war, begann sie sofort zu grinsen und schlug in die High 5 ein.

Ich benutze in solchen Situationen ja immer die gleiche Masche. Du kannst die ganze Welt um dich herum richtig krass verarschen und nach deiner Pfeife tanzen lassen. Es kommt nur darauf an, dass die Leute dabei ein gutes Gefühl haben. Hätte ich zu Liza Li gesagt, sie solle einen Handstand machen, sie hätte es gemacht, obwohl ich sie gerade erst kennengelernt hatte. Das Beste daran wäre gewesen, dass sie sich dabei noch nicht einmal schlecht gefühlt hätte. Im Gegenteil: Für sie wäre es sogar eine Art Bestätigung ihrer Zugehörigkeit gewesen. In der Psychologie nennt man das Suggestion: Die unterbewusste Beeinflussung des Fühlens, Denkens und Handelns. Kontrolliere die Gedanken des anderen und du hast die Macht über ihn. Soll ich euch etwas verraten? Es funktioniert immer. Auf der Aftershow-Party sollte ich die kleine Liza wiedersehen.

Einen Gang weiter liefen uns tatsächlich Sido, Spaiche und Sidos Bodyguard über den Weg. Als Spaiche Tony und Hamoudi erkannte, grüßte er sie kurz und gab ihnen die Hand. Sido versteckte sich wie immer hinter seinem Bodyguard.
»Wieso grüßt du Bushido nicht?«, fragte Tony und schaute Spaiche tief in die Augen.
Stotternd drehte sich Spaiche einen halben Schritt nach rechts und blickte mir direkt ins Gesicht. Er meinte, er habe mich mit Sonnenbrille gar nicht erkannt.
»Ist klar«, lachte ich. »Ich werde ja nur ungefähr alle 15 Sekunden nach einem Autogramm gefragt. Aber schon okay!«
Die Hand gab er mir trotzdem nicht.
»Sido, komm mal her«, befahl Tony.
Sido tauchte aus dem Schatten seines Bodyguards auf und streckte Tony seine Hand entgegen. Tony griff sie sich und schüttelte sie, ließ sie aber nicht mehr los.
»Was machst du so?«, fragte er.
Sido wusste nicht so recht, was er antworten sollte. Schnell erzählte er von einem Plastikteil, das er aus seinem Touareg ausgebaut hätte.
Wir schauten uns an und dachten alle das Gleiche: Was hat der gerade gesagt? Wen interessiert sein Auto? Tony, der immer noch Sidos Hand schüttelte, drückte ein bisschen fester zu, schaute demonstrativ zum Bodyguard rüber, dann wieder zu Sido, bei dem sich schon etwas Schweiß auf der Stirn angesammelt hatte. Dann ließ Tony los. Sido rieb sich seine Hand und ging schweigend an mir vorbei. Die Aggros zogen weiter.

Als hätte irgendjemand das Drehbuch geschrieben, kamen im nächsten Moment Monrose um die Ecke. Sofort wurde die Stimmung wieder ernster. Vorneweg lief ihre bescheuerte Managerin, die wohl schon fürchtete, gleich was auf die Fresse zu kriegen, so wie die mich anguckte. Senna schaute nur kurz zu uns rüber, drehte dann aber schnell ihren Kopf wieder weg. Dann schlugen sie auch schon eine andere Richtung ein. Als die Drehtür hinter ihnen zufiel, meinte Tony zwar, dass wir hinterhergehen sollten, aber ich hatte Hunger und wollte direkt zum Catering.
»Keine Sorge«, sagte ich. »Die läuft uns schon nicht weg.«

Zwei Stunden später war es dann soweit. Ich kam gerade aus der Maske und war schon wieder auf dem Weg in meine Garderobe, als die Mädels von Monrose direkt auf mich zuliefen. Showdown.
»Ich mache das schon«, sagte ich zu Tony und meinen Jungs. »Bleibt ihr mal schön im Hintergrund.«
Schnurstracks ging ich auf Senna zu. Ihre Managerin wollte sich mir erst in den Weg stellen, doch ein knappes »Verpiss dich!« reichte aus und sie, naja, verpisste sich. Als Senna vor mir stand, waren wir plötzlich von Kamerateams und Fotografen umzingelt.
»Was redest du in der Öffentlichkeit für eine Scheiße?«, fragte ich sie.
Senna spielte das Unschuldslamm und tat so, als ob sie von nichts wüsste.
»Du weißt genau, wovon ich rede!«
Senna schluckte kurz und verzog ihr Gesicht, bis ihr wieder einfiel, dass gerade alle Kameras auf sie gerichtet waren. Schnell setzte sie wieder ihr gekünsteltes Lächeln auf.
»Du bist dir dessen schon bewusst, dass das, was du hier gerade abziehst, auch ins Auge gehen kann!«, meinte ich.
»Ach ja?«, versuchte sie cool zu kontern.
»Also pass bloß auf, was du in Zukunft so von dir gibst!«

Dann ließ ich sie an mir vorbeigehen. Als Elvira, Kristina und Eliana Monrose sahen, fielen sie sich natürlich wie beste Freundinnen um den Hals. Oh Mann, dachte ich. Haben die denn noch nichts dazugelernt? Wie im Kindergarten. Zum Glück muss ich diese Hühner nicht jeden Tag ertragen. Die sind schlimmer als jede Art von Kopfschmerzen. Schnatter. Schnatter. Schnatter.

Ich wartete hinter der Bühne auf meinen Auftritt. Ich sollte Bisou ankündigen. Tokio Hotel spielten gerade und wurden übelst ausgepfiffen. Aus der SAP-Arena schallte ein einziges Buhhhh. Krass! Ich hatte eigentlich angenommen, dass die meisten Leute hauptsächlich deretwegen hergekommen waren. Als ich dann über meinen Knopf im Ohr die Anmoderation von Gülcan hörte, wurde es mir, ehrlich gesagt, etwas flau im Magen: »Bla bla bla ... und jetzt kommt ein Rapper aus Berlin ... bla bla bla ... der den nächsten Dome in Hannover moderieren wird ... Buuuuuushido!«

Ich lief auf die Bühne, sagte kurz »Hallo, Mannheim« und wartete auf die Reaktion des Publikums. Nachdem sogar Tokio Hotel ausgepfiffen worden war, war ich auf alles gefasst. Was passierte? Die 11 000 Leute drehten komplett durch. Ich lief von links nach rechts, hielt meine Hand ans Ohr und tat so, als ob ich nichts hören würde – so mache ich es ja auf meinen eigenen Konzerten auch immer – und die Kids schrien noch lauter. Überkrass. Ich zog mein übliches Programm durch. Hier und da ein cooler Spruch und die Menge fraß mir aus der Hand. Dann kündigte ich den Auftritt der Mädels an.
»Mannheim, seid ihr cool mit Bisou?«
»Jaaaaaaa«, schallte es durch die Halle.
»Ich kann euch nicht höööööören! Seid ihr cool mit Bisou?«, wiederholte ich.
Dann setzte auch schon die Musik ein. Woah! Ich bekam noch auf der Bühne eine Gänsehaut. Was für ein krasses Gefühl! Alles funktionierte perfekt. Die Mädchen machten keinen einzigen Fehler. Premiere geglückt.

Die restliche Zeit gaben wir Interviews. Alle wollten mit Bisou und mir sprechen. Mein Plan ging auf. Senna hatte, ohne es zu wissen, ihren Teil zum Hype meiner neuen Girlband beigetragen (das Projekt Bisou sollte später ein Flop werden, aber das ist eine andere Geschichte). Nur einer stand etwas niedergeschlagen in der Ecke: Sascha, der Bravo-Redakteur.
»Atze, was ist los?«, fragte ich ihn.
»Die ganze Zeit konnte ich mit meinem Pass überall hin. Ausgerechnet in dem Moment, als du mit Senna gesprochen hast, ließ mich die Security nicht durch.“
»Ist doch nicht so schlimm. Ist ja eh nix passiert«, meinte ich.
»Doch ist es. Genau dafür bin ich aus München hergefahren. Euer Treffen war meine Geschichte. Und ohne Fotos keine Story!«
Der Arme war wirklich am Boden zerstört. Aber wie heißt es so schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Die Aftershow-Party fand in einem Club in Heidelberg statt, vielleicht eine Viertelstunde von der SAP-Arena entfernt. Als wir um zwei Uhr dort ankamen, war schon alles voll im Gange.
Man musste aber kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass die Party scheiße war. Der DJ von Big FM legte schlechte Musik auf und es dauerte keine zehn Sekunden, bis ich die ersten Autogramme schreiben musste. Und das auf einer VIP-Party. Abtörn. Gab es nicht auch noch andere Stars?

Nach ein paar Minuten entdeckte ich die Hilton-Sisters an einer der vorderen Bars. Eigentlich hießen sie Lisa und Vanessa und hatten superreiche Eltern. Mit Lisa telefonierte ich in dieser Zeit regelmäßig, hatte aber an dem Abend keinen Bock auf sie. Ich tat so, als hätte ich sie nicht gesehen und schaute in die andere Ecke. Wen sah ich dort? Tammy. Auch das noch, dachte ich. Seitdem ich sie ein paar Mal flachgelegt hatte, war sie übelst verliebt in mich und reiste mir überall hin hinterher. Verdammt. Wohin? Ich entdeckte eine hübsche Blondine auf der Tanzfläche, ging auf sie zu und flüsterte in ihr Ohr: »Komm in fünf Minuten auf die Rückseite der Bar hinten links, okay?«
Sie schaute mich an und nachdem sie mich erkannt hatte, nickte sie zustimmend. Ich ging schnell zu meinen Jungs, schrieb noch ein paar Autogramme, versteckte mich vor den anderen Mädchen und schlich mich heimlich an die Bar. Sie wartete schon. Ihr Name war Nadine, 24, Jura-Studentin. Hammer! Nach fünf Minuten hatte ich ihre Telefonnummer in meinem Handy gespeichert. Mehr wollte ich eigentliich auch gar nicht, im Moment jedenfalls. Ich hatte gerade eine Phase, in der mich schlaue und reiche Mädchen irgendwie mehr anmachten, als die üblichen MySpace-Solarium-Schlampen. Der Gedanke, nicht nur eine Muschi, sondern auch das Geld ihres Papis zu ficken, machte mich schon ein bisschen an.

Ich blickte in die Menge. Hamoudi tanzte mit Liza Li, Nyzeredete mit Sido, Tony unterhielt sich mit Spaiche, Kay spielte mit seinem neuen Klappmesser und Kristina, Elvira und Eliana verdrehten, eine nach der anderen, Sascha, dem Bravo-Redakteur, den Kopf. Und wie immer, wenn die Getränke aufs Haus gingen, hatten die meisten schon zu viel Bacardi-Cola getankt. Ich rief Tony an.
»Atze, ich bin hier hinten in der Ecke. Komm mal bitte vorbei und gib mir ein Update, okay?«
»Okay!«
Zwei Minuten später war Tony bei mir und gab mir ein paar News.
»Also, hör zu. Liza kommt später mit ins Hotel. Die ist total durchgeknallt, aber in Ordnung. Die wird gerade von ihrer Plattenfirma verarscht und hofft wahrscheinlich, dass wir ihr helfen. Aber egal, mit ihr kann man Party machen.«
»Was hat Nyze mit Sido geredet?«“, wollte ich wissen.
»Er hat Sido gefragt, ob er sich noch an ihn erinnern würde. Nyze ist schon total besoffen, hat ihn auch ein bisschen angepöbelt und gemeint: Früher habe er ihn als Veranstalter nach Saarbrücken gebucht. Heute sei er Back-Up-Rapper von Bushido. Das hättest du sehen sollen, Habibi. Sidos Fresse ist direkt eingeschlafen. Er wusste nicht mehr, was er sagen sollte.«
»Korrekt!«
»Ich habe übrigens bei Spaicheauch die Sache mit Mok angesprochen.«
„Und was sagt er dazu?“, fragte ich.
»Also, die Situation ist folgende: Mok gehört ja irgendwie zu Aggro, also hängen die auch in der ganzen Sache mit drin. Ich habe Spaiche gesagt, dass erMok ausrichten kann, dass wir, sobald wir zurück in Berlin sind, das Problem auf unsere Weise regeln und er besser aus der Stadt verschwinden sollte! Wer Chakuzas Mutter als Hure bezeichnet, hat sich sein eigenes Grab geschaufelt. Das kann nicht toleriert werden.«
»Okay. Sehr gut. Was noch?«
»Kay spielt die ganze Zeit mit seinem Messer herum. Seitdem wird er ständig von der Security beobachtet. Selbst wenn er aufs Klo geht, folgen sie ihm. Da gibt’s bestimmt noch Ärger später. Mehr ist eigentlich nicht.«
»Danke, Habibi. Bis nachher.«
Ich widmete mich wieder Nadine, meinem Bar-Mädchen des Abends.
»Und was gibt es so für spannende Geschichten, dass ihr so flüstern musstet?«, fragte sie.
»Ach, nur das Übliche. Komm, trink noch was!«
Nach einer Weile wurde mir langweilig und ich beschloss zu gehen.
Mehr passierte an dem Abend eigentlich nicht, außer dass Nyze noch irgendwelche Leute anpöbelte, meine Bisou-Mädels eifersüchtig auf diese Nadine waren und die Hilton-Sisters beleidigt zu Kay gingen – mit der Mitteilung, ich hätte den Fick des Jahrhunderts verpasst. Ach ja, und Elvira hätte fast noch in mein Auto gekotzt, so besoffen wie sie war. Ich konnte gerade noch an einer Tanke halten. Sie stolperte raus und kübelte direkt in einen der Putzeimer, die immer an den Tanksäulen herumstehen. Richtig eklig! Der Nächste, der seine Windschutzscheibe saubermachen wollte, hatte auf jeden Fall Pech.

Um sechs Uhr morgens lag ich endlich in meinem Hotelbett, schaute mir im Pay-TV noch einen schlechten Pornofilm an, als mein Telefon klingelte.
»Hallo?«, grummelte ich.
»Bu, ich bin’s.«
»Was los, Tony?«
»Ey, weißt du noch, diese Liza von der Party?«
»Liza Li?«, fragte ich.
»Ja, genau. Die sitzt bei mir auf dem Klo und raucht wie ein alter Schornstein. Ich bin selbst schon ganz high.«
»Schmeiß sie doch raus!«
»Die weiß nicht, wo sie pennen soll.«
»Hmm«, murmelte ich.
»Die hat ihre Zöpfe offen«, meinte Tony. »Total eklig, ich schwöre dir. Die stinkt auch ein bisschen. Vor allem ihre Füße. Da kam richtiger Dampf aus ihren Stiefeln. Außerdem sieht die bei Licht ganz anders aus. Ich lasse sie auf dem Boden schlafen. Am Ende kriege ich noch Flöhe. Was machst du?«
»Ich gucke Porno und keul mir einen!«
»Ah so. Na gut. Okay. Ich musste übrigens vorhin die Tür meines Nachbarzimmers eintreten.«
»Wieso das denn?«
»Da lief total laut das Radio. Ich schwöre. Ich habe geklopft, aber niemand hat geantwortet. Da habe ich halt die Tür eingetreten. Was sollte ich machen?«
»Und?«
»Niemand drin. Der Wecker war falsch eingestellt. Ich wusste nicht, wie er ausgeht, also habe ich ihn aus dem Fenster geworfen.«
»Korrekt! Hehe.«
»Und da ich schon mal da war, habe ich auch gleich die ganze Minibar geplündert. Also, wenn du was brauchst: Schokoriegel oder 'ne kalte Cola ...«
»Schlaf schön, Habibi.«, lachte ich.
»Gute Nacht, Bu.«
Ich legte auf. Wieder ging ein Tag meines langweiligen Lebens zu Ende. Ich keulte noch auf die Bettdecke und schlief ein."

und weil es so schön ist, noch eine leseprobe:

Zitat:
Kapitel: »Der ECHO 2008«

(...) Gegen sechs Uhr ging dann die Musik aus und wir machten uns auf den Heimweg. Seit langer Zeit war das mal wieder eine Party, auf der ich bis zum Schluss geblieben war. Das will was heißen. Arafat, Kay, Nyze und ich hatten noch Hunger und wir fuhren nach Schöneberg, Köfte essen. Morgens um halb sieben. Ein Hoch auf Berlin!

Ich lag später in meinem Bett noch lange wach. Zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher. An diesem Abend hatte ich mal wieder gemerkt, wie verlogen unsere Gesellschaft doch in Wahrheit ist. Noch vor wenigen Wochen war ich der asoziale Proll-Rapper gewesen, der mit seinen schlimmen Texten die Gedanken der Kinder verseuchte. Dann gewinne ich zwei ECHOS und bin plötzlich Everybody’s Darling, den jeder gern mal anfassen möchte. Das konnte doch alles nicht wahr sein! In was für einer Welt leben wir eigentlich? Ich erinnerte mich an die Talkshow 3 nach 9 des Senders Radio Bremen, zu der ich Ende Januar eingeladen worden war. Wie es in solchen Gesprächsrunden üblich ist, erzählte jeder Gast seine Geschichte und alle plauderten friedlich miteinander. Als ich an der Reihe war, hagelte es Kritik von allen Seiten. Ich wäre kein Vorbild für die Jugend, bla bla bla, das übliche langweilige Geschwätz, das ich schon seit Jahren kenne. Nie hatte ich das Gefühl, dass sich diese Menschen wirklich für mich interessierten, es war viel eher so, dass sie verzweifelt versuchten, mich in die Enge zu
treiben. Selbst die Moderatorin der Sendung sagte, dass sie meine Texte langweilig finde. »Kennst du einen, kennst du alle«, meinte sie doch tatsächlich zu mir. Das war natürlich ihr gutes Recht, obwohl sie als Journalistin doch eigentlich eine eher neutrale Haltung haben sollte, um den Zuschauern die Möglichkeit zu lassen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Im Prinzip finde ich es in Ordnung, wenn die Leute einen Standpunkt haben und dazu auch stehen, aber dann
sollen sie bitte nicht nach der Sendung, wenn die Kameras aus sind, zu mir kommen und nach Autogrammen für ihre Kinder fragen. Ohne Worte!

Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen, warum so wenige Menschen die Eier haben, zu ihrer Meinung zu stehen, auch öffentlich. Man kann über Dieter Bohlen denken, was man will, aber er ist einer der wenigen, die wirklich sagen, was sie denken. Dafür bekommt er meinen vollsten Respekt. Mal ehrlich: Was interessiert mich die Meinung anderer Leute, die, wenn es hart auf hart kommt, doch einen Dreck auf mich geben? Und wenn mir gewisse Medien attestieren,
nach dem ECHO in eine höhere Promi-Liga aufgestiegen zu sein, dann geht das links rein und rechts raus. Wo waren sie denn, als ich wirklich ihre Unterstützung gebraucht hätte? Wo werden sie sein, wenn ich vielleicht eines Tages nicht mehr so viele Platten verkaufe? Garantiert überall, außer bei mir. Nur weil irgendwelche Chefredakteure plötzlich der Meinung sind, dass ich irgendwo angekommen bin, heißt das noch lange nicht, dass ich vergesse, wo ich herkomme und dass ich der nette Gangster-Rapper von nebenan war. Niemals! Ruhm ist so was von vergänglich. Das vergessen die meisten Menschen viel zu schnell. Schon bald werden nämlich genau die Leute, die mich heute angeblich feiern, versuchen, mich öffentlich zu opfern. Deswegen bemühe ich mich erst gar nicht, solche Leute an mich rankommen zu lassen. Udo Kier hatte schon recht, als er bei 3 nach 9 sagte, dass ich in meinen Texten der Gesellschaft doch lediglich den berühmten Spiegel vorhalten würde und man mich nicht für den mangelnden Intellekt der Kritiker verantwortlich machen könne. So sieht’s aus. Drauf geschissen!

Zum Glück fielen mir irgendwann die Augen zu. Trotzdem schlief ich nur wenige Stunden. Um 14 Uhr stand ich auf und zockte den ganzen Samstagnachmittag World of Warcraft. Am Abend ging ich rüber zu meiner Mutter, die mich mit offenen Armen und stolz wie Oscar in die Arme nahm. Mein Bruder kam auch noch dazu. Das war mal wieder einer dieser wenigen schönen Momente im Leben, nach denen ich mich so sehr sehne. Bei all dem Alltag, der mittlerweile bei mir eingekehrt ist, vor allem was Auszeichnungen, Preise, Goldene Schallplatten und diesen ganzen Kram angeht, hat sich meine Mama noch genauso gefreut wie am ersten Tag.

»Mensch, Bub«, sagte sie. »Wenn ich mir überlege, wie das mit dir damals alles angefangen hat. Als noch keiner wusste, was aus dir wird.«
»Ja, Mama. Wer hätte das gedacht?«
»Ich wusste es immer, mein Schatz!«, sagte sie und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich schaute meine Mama an, wie sie zufrieden und glücklich mit ihrer alten Lieblingsdecke auf der Couch im Wohnzimmer lag und mich aus vollem Herzen anstrahlte.
»Ach, Mama, das ist schon komisch. Irgendwie bin ich für die Leute da draußen ein Superstar, dabei führen wir doch ein ganz normales Leben. Guck dich doch mal um! Was ist denn daran so besonders?« ,sagte ich mehr zu mir selbst. Dann stand ich auf, wünschte meiner Mutter eine gute Nacht und ging wieder zu mir. Da saß ich nun, als frisch gebackener zweifacher ECHO-Gewinner 2008 – allein in meiner kleinen Wohnung. Niemand war da. Ich schaute zu dem Glastisch,auf dem sich all meine Preise stapelten: vier ECHOS, zwei MTV Europe Music Awards, ein Goldener BRAVO-Otto, ein Silberner BRAVO-Otto, zwei Goldene Pinguine, ein VIVA-Comet…

Manchmal fühle ich mich wie der Hauptdarsteller in meinem eigenen Film. Ich gehe zum ECHO, spiele meine Rolle und am Abend kehre ich zurück in mein wirkliches Leben. Jedenfalls kommt es mir oft so vor. Es ist schon eigenartig, Bushido zu sein (...)
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footbagfreak

Dabei seit: 12.09.2007
Ort: Schland
Alter: 36
Geschlecht: Männlich
Verfasst Di 09.09.2008 19:54
Titel

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Gibts das auch als Hörbuch?
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throw

Dabei seit: 14.09.2005
Ort: Hallefornien
Alter: 29
Geschlecht: Männlich
Verfasst Di 09.09.2008 19:57
Titel

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keine ahnung... könnte ja kommen... hab den teil oben vorhin gelesen und musste wirklich dass ein oder andere mal schmunzeln. wahrlich interessant und auch belegbar... einige sachen kann ich durch meine abreit im eventbereich auch als wahr bestätigen... werd das buch sicher lesen.
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throw

Dabei seit: 14.09.2005
Ort: Hallefornien
Alter: 29
Geschlecht: Männlich
Verfasst So 14.09.2008 18:32
Titel

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http://de.youtube.com/watch?v=zr-tc8wcOvU
passt.
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