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Thema: [FAQ] Klassifikation von Schriften vom 28.02.2005


Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen MGi Foren-Übersicht -> FAQ - Print -> [FAQ] Klassifikation von Schriften
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cyanamide
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Geschlecht: Weiblich
Verfasst Mo 28.02.2005 18:35
Titel

[FAQ] Klassifikation von Schriften

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Klassifikation von Schriften nach DIN 16518

Dies ist zwar nicht mehr die modernste Form der Klassifizierung,
aber immer noch Norm. Bei Gelegenheit werde ich die Klassifizierung
des FontShop hier auch noch einbinden, diese ist meiner Meinung
nach westentlich moderner und zeitgerechter.



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Die Venezianische Renaissance-Antiqua, hier Berkeley Old Style

Nicolaus Jenson (Venedig) entwickelte diese Druckschrift 1470 aus
der humanistischen Minuskel. Die originale, handschriftliche Vorlage
wurde mit einer schräg angeschnittenen Breitfeder im Wechselzug
geschrieben.

    Merkmale:
    · abgerundete Serifen
    · schräge Achse der Rundungen
    · schräger Ansatz (Dachansatz) der Serifen
    · schräger Querstrich des kleinen »e«
    · die Oberlängen der Kleinbuchstaben sind höher als die Versalien
    · geringe Unterschiede in den Strichstärken

    Hierzu zählen unter anderen:
    Stempel-Schneidler, Schneidler-Mediaeval, Centaur, Berkeley Old Style,
    Centaur, Deepdene, Horley Old Style, Kennerley Old Style, Trajanus, Seneca



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Die Französische Renaissance-Antiqua, hier Bembo

Hauptsächlich der Franzose Claude Garamond entwickelt diese
Schrift um 1540 aus der humanistischen Minuskel. Als Vorbild
für die Großbuchstaben diente die römische Kapitalschrift
(Capitalis Quadrata), für die Kleinbuchstaben die karolingischen
Minuskel. Die ursprüngliche, alte Bezeichnung war Mediäval.

    Merkmale:
    · gerundete Serifen
    · schräge Achse der Rundungen
    · schräger Ansatz (Dachansatz) der Serifen
    · der Querstrich beim »e« liegt waagrecht
    · die Oberlängen der Kleinbuchstaben sind höher als die Versalien

    Hierzu zählen unter anderen:
    Garamond, Bembo, Palatino, Aldus-Buchschrift, Berling, Diethelm-Antiqua,
    Goudy, Sabon-Antiqua, Trump-Mediäval, Weiß-Antiqua



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Die Barock-Antiqua, hier Baskerville

Diese Gruppe erlebte 1750 ihre Blütezeit. Der Kupferstichs, der
immer weiter verbreitet war, lässt gewisse Merkmale stärker
hervor treten. Durch den Umbruch zu dieser Zeit spricht man
von einer Übergangs-Antiqua. Der Federduktus, sprich der Feder-
strich, geht langsam verloren. Andere, nicht mehr gebräuchliche
Bezeichnungen: Vorklassizistische Antiqua, Halbmediäval.

    Merkmale:
    · nur leicht abgerundete Serifen
    · die Achse der Rundungen steht fast senkrecht
    · größere Unterschiede in den Strichstärken

    Hierzu zählen unter anderen:
    Times / Times-Antiqua, Baskerville, Caslon, Tiffany, Imprimatur,
    Janson-Antiqua, Poppl-Antiqua



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Die Klassizistische Antiqua, hier Didot

Bodoni und Didot gehören zu den Hauptentwicklern dieser Schrift-
engruppe. 1800 erlebte die Klassizistische Antiqua ihre Blütezeit.
Aus den zierlichen Kupferstichschriften entwickelt war die der end-
gültige Durchbruch des Stichelduktus. Konsequent konstruierte
Buchstaben. Vom Federstrich ist nichts mehr zu sehen.

    Merkmale:
    · die waagrechte Serifen haben keine Rundungen
    · der Kontrast zwischen Grund- und Haarstrichen/Serifen ist sehr stark
    · senkrechte Achse der Rundungen
    · die Anstriche sind oben und unten waagrecht angesetzt
    · die Versalhöhe und die Oberlängen der Kleinbuchstaben sind identisch

    Hierzu zählen unter anderen:
    Bodoni-Antiqua, Walbaum-Antiqua, Didot, Madison-Antiqua, Torino



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Die Serifenbetonte Linear-Antiqua, hier Clarendon

Diese recht umfangreiche Gruppe ist in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts entstanden. Aufgrund des Umfangs und der
verschiedenen Möglichkeiten wird je nach Aussehen (vor
allem der Serifen) weiter wie folgt unterteilt:

a) Egyptienne

    Merkmale:
    · Übergänge zu Serifen eckig

    Hierzu zählen unter anderen:
    American Typewriter, Beton, City, Lubalin Graph, Memphis, Rockwell, Serifa, Stymie


b) Clarendon

    Merkmale:
    · Übergänge zu Serifen gerundet

    Hierzu zählen unter anderen:
    Clarendon, Impressum, Melior, Volta


c) Italienne

    Merkmale:
    · Serifen stärker als Grundstrich
    · senkrechte Achse der Rundungen
    · Anstriche sind waagrecht angesetzt
    · Oberlängen der Kleinbuchstaben sind identisch mit der Versalhöhe

    Hierzu zählen unter anderen:
    Figaro, Hidalgo, Memory, Old Towne, Pro Arte



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Die Serifenlose Linear-Antiqua, hier Kabel

Die auch als, wenn auch nicht mehr geläufig, Grotesk bezeichnete
Gruppe ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden.

    Merkmale:
    · keine Serifen vorhanden
    · senkrechte Achse der Rundungen
    · die Oberlängen der Kleinbuchstaben sind oft identisch mit der Versalhöhe
    · die Strichstärke ist fast immer gleich (optisch linear)

    Hierzu zählen unter anderen:
    Futura, Gill Sans, Helvetica, Akzidenz-Grotesk, Avant Garde Gothic,
    Avenir, Berthold Imago, Franklin Gothic, Frutiger, Folio, Kabel, Meta,
    Neuzeit-Grotesk, Rotis Sans, Stone Sans, Syntax, Univers



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Die Antiqua-Varianten, hier Blur

Alle Antiqua-Schriften, die, nach ihren Erkennungsmerkmalen zu schließen,
nicht in die Gruppen I bis VI eingereiht werden können, gehören in die
Gruppe der Antiqua-Varianten.

    Hierzu zählen unter anderen:
    Blur, Largo, Neuland, Arnold Böcklin, Moonbase Alpha, Eckmann,
    Exocet, Mambo Bold, Revue



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Die Schreibschriften, hier Ariston

Aus den sogenannten »lateinischen« Schul- und Kanzleischriften,
aus individuellen Handschriften und künstlerischen Schriftentwürfen
enstanden diese Drucktypen. Vor dem Druck wurden als Schreib-
werkzeuge Spitzfeder, Breitfeder, Rundfeder, Pinsel oder Kreide
benutzt.

    Merkmale:
    · anmutend, wie mit der Feder oder Pinsel geschrieben
    · meist Wechselstrich, je nach Lage und Schreibgerät
    · oft schwungvolle Anfangsbuchstaben (Versalbuchstaben)
    · die Kleinbuchstaben sind oft verbunden

    Hierzu zählen unter anderen:
    Künstlerschön- und schreibschrift, Ariston, Ballantines, Mistral, Berthold-Script,
    Commercial Script, Diskus, Englische Schreibschrift, Lithographia, Mistral, Slogan



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Die Handschriftliche Antiqua, hier Arkona

Auf eine persönliche Art und Weise handschriftlich abgewandelte
Antiqua-Schriften zählen zu dieser Gruppe. Es gibt keine streng
stilistische Systematik wie bei allen anderen Antiqua-Schriften;
betont handschriftliche Originalität zeichnet diese Gruppe aus.

    Merkmale:
    · Formen der ersten 4 Gruppen handschriftlich durch Federzug abgewandelt

    Hierzu zählen unter anderen:
    Time-Script, Arkona, Delphin, Impuls, Justlefthand, Dom Casual, Express,
    Impuls, Justlefthand, Poppl-College, Post-Antiqua, Vivaldi



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Die Gebrochenen Schriften, hier Fette Fraktur

Diese, auch als Deutsche Schriften bezeichnete Gruppe ist
eine Sammelgruppe für alle gebrochenen Schriften. Die
Frakturschriften werden heute noch sparsam als Headline-
schriften verwendet. Sie werden wie folgt unterteilt:

a) Gotisch

    Besondere Merkmale:
    · Die runden Formen der Kleinbuchstaben sind gebrochen.
    · Die Zeichen sind schlank und wirken streng.

    Hierzu zählen unter anderen:
    Fette Gotisch, Wilhelm-Klingspor-Gotisch


b) Rundgotisch

    Besondere Merkmale:
    · Diese Untergruppe beruht auf der Rotunda der Frühdruckzeit.
    · Entstehung und Entwicklung vorwiegend in Italien.

    Hierzu zählen unter anderen:
    Tannenberg, Wallau, Weiß-Rundgotisch


c) Schwabacher

    Besondere Merkmale:
    · War die Hand- und Druckschrift des 15. Jahrhunderts
    · Erschienen in Süddeutschland
    · Breite und ausladende Wirkung der Buchstaben, runder und offener als die Gotisch

    Hierzu zählen unter anderen:
    Alte Schwabacher, Renata


d) Fraktur

    Besondere Merkmale:
    · Entstanden im 16. Jahrhundert.
    · Schlanke, elegante Schrift aus dem Kulturkreis Kaiser Maximilians

    Hierzu zählen unter anderen:
    Fette Fraktur, Neue Fraktur, Unger-Fraktur, Walbaum-Fraktur, Zentenar- Fraktur


e) Fraktur-Varianten

    Besondere Merkmale:
    Hier werden alle gebrochenen Schriftformen eingeordnet, welche
    in ihrer Strichführung vom Charakter der Untergruppen a) - d)
    abweichen.

    Hierzu zählen unter anderen:
    Breda-Gotisch, Breite Kanzlei, Rhapsodie


    Merkmale aller Fraktur-Schriften:
    · alle Rundungen sind gebrochen
    · Schriften sehen aus, als wären sie mit der Breitfeder geschrieben
    · teilweise starker Kontrast fett:fein
    · teilweise feine Anstriche und Endstriche
    · schräger Querstrich beim »e«


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Die Fremden Schriften

In dieser Gruppe werden alle nichtlateinischen Schriften (wie
z.B. griechische, hebräische, kyrillische, arabische, japanische,
aber auch Bilderschriften) eingeordnet.


DIN
http://www.beuth.de/beuth/owa/bwr_recherche.find_artikel?p_par3=16518

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Klassifikation von Schriften nach stilistischen Merkmalen
(Nachtrag von DP:)

>

Es gibt da ja noch andere Schriften Klassifikationen. Eine
Nennenswerte wäre diese dort unten. Dort wird anhand
von formalen und stilistischen Merkmalen unterschieden.
(weiß nicht ob ich die grafik posten darf. ansonsten bitte editieren!)

Ich glaube das steht in diesem Buch drin:
"Wegweiser Schrift" von Hans Peter Willberg




Zuletzt bearbeitet von cyanamide am So 25.09.2005 15:54, insgesamt 3-mal bearbeitet
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cyanamide
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Dabei seit: 09.12.2002
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Geschlecht: Weiblich
Verfasst Sa 11.06.2005 18:33
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So, nun hört mal auf die FAQ vollzusülzen, dafür
sind die nicht da. Wenn ihr einen Nachtrag oder
einen Verbesserungsvorschlag habt, dann bitte
posten - wird ggf dann angefügt. Ansonsten hier
bitte nichts rein. Danke
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