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Aktuelles Datum und Uhrzeit: Sa 11.10.2008 07:32 Benutzername: Passwort: Auto-Login

Thema: Druckerforum? vom 30.04.2008

Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen MGi Foren-Übersicht -> Druck - Produktion -> Druckerforum?
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2MASH

Dabei seit: 17.11.2007
Ort: Niedersachsen
Alter: 26
Geschlecht: Männlich
Verfasst Fr 02.05.2008 21:10
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Ich hatte tatsächlich schon die Idee ein Druckerforum in das Netz zu stellen (www.Offsetdrucker.net).
Allerdings mangelt es mir an Zeit um alleine ein solches Forum zu betreuen, geschweige denn es erstmal überhaupt vollständig mit Inhalt zu "füllen".
Weiter als die Sicherung der Domain und probehalber eine Installation eines Forums bin ich also noch nicht gekommen. *bäh*
Wenn mir gerne jemand dabei behilflich sein möchte kann man sich natürlich nochmal darüber unterhalten!
Ich war damals auch auf der Suche nach einem solchen Forum.
Leider gibt es sowas bislang nicht.

Gruß
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Beluga

Dabei seit: 26.03.2008
Ort: Hockenheim
Alter: 29
Geschlecht: Männlich
Verfasst Fr 02.05.2008 22:39
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Auf der Seite war ich auch schon... leider war sie offline!

Also wenn du noch nen Mod brauchst - ich bin dabei. Kann am Tag auch mehrmals reinsehen.
Erfahrung habe ich auch - hab selber seit 10 Jahren ein gut besuchtes TürkeiForum am laufen.
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bauchbieber

Dabei seit: 22.11.2005
Ort: -
Alter: -
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Verfasst Fr 02.05.2008 23:45
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Beluga hat geschrieben:
... und ich würde einfach mal so behaupten:
Stirbt der Druckerberuf, sterben die Mediengestalter (Print) mit!

Das sehe ich anders. Natürlich wird es immer "Drucker" geben. Die Frage ist, wie viele man davon braucht und welche Aufgaben sie haben werden. Nehmen wir mal eine X-beliebige Xerox-Digitaldruckmaschine oder meinetwegen auch eine HP Indigo: Wozu braucht man an diesen Maschinen Drucker?

Zitat:
Man könnte gerade meinen, jeder Idiot könnte eine Druckmaschine bedienen. Klar - nen Knopf zum anschalten und Gummituchwaschen drücken, das kann wirklcih jeder. Wenn es aber dann in Feuchtmittelzusammensetzung, Justierung, Unterlagebogen und Gummitücher, um Passer,- Wasser,- Duplier,- oder andere Probleme geht, kommt die Hilfskraft ruckzuck an die grenzen. Da hilft dann auch kein Aquaauto, autom. Farbeinstellung usw usw. da hilft nur viel Erfahrung und ne gute Ausbildung!

Schauen wir uns mal im modernen Bogenoffset um: Die Farbzonen werden jetzt schon automatisch per Image-Control eingestellt. Inline-Messung gibt es für Farbe auch schon. Es existieren ebenso Verfahren, um den Passerversatz inline zu messen und natürlich auch automatisch zu regeln. Feuchtmittel ist eine Sache, die man schon lange automatisch kontrollieren kann und an Dingen wie Feuchtmittelzusammensetzung, Gummitücher oder andere "Justierungen" hat der Drucker eigentlich so schnell nichts verloren.


Zitat:
Geh du als Mediengestalter bitte einfach mal zu deinem Drucker, er soll dich mal die Farbe aus dem Farbkasten spachteln lassen - mal sehen wie du hinterher aussiehst und wie lange du dafür brauchst (aber bitte sauber ausspachteln so dass keine Farbe mehr drin ist).

Naja, also das Ausspachteln von Farbe aus dem Farbkasten ist jetzt wirklich keine Sache, die man nicht in wenigen Stunden lernen kann. Ich brauch auch keine Bäckerausbildung um ne Schüssel mit Kuchenteig auszukratzen. Und soviel Farbe wie früher hat man ja nun dank Kartuschensysteme nun auch nicht mehr im Farbkasten.

Zitat:
Oder Papier vorstapeln - nimm einfach mal einen Stapel 50x35 Bogen und stapel mal sauber vor....
Das sieht alles soooooo einfach aus - probiere es einfach aus und wir reden wieder drüber!
Jeder kleine Handgriff erfordert unheimliches können und wenn du es nicht glaubst dann mach es einfach mal!

Ich weiß, wie schwer Papiervorstapeln ist. Dafür braucht man aber trotzdem keinen teuren Drucker, sondern nur eine angelernte Hilfskraft mit etwas Übung. Die gleiche Arbeit machen Niedriglohn-Hilfskräfte im Zeitungsdruckversandraum: Sie stapeln Beilagen an einem Anleger vor.

Zitat:

Und dann frage ich dich:
Setz nen völlig Ahnungslosen an den PC oder Mac, sag ihm wo Illustrator ist und lass ihn machen. Nach ner Stunde oder 2 hat er irgendetwas hingekriegt. (Das machen ja mittlerweile immer mehr Firmen auch selber...)

Es geht nicht um Ahnungslosigkeit. Angelernte Hilfskräfte sind nicht ahnungslos. Tatsächlich ist es wirklich so, dass ein Großteil der Werbung in Deutschland von mehr oder weniger talentierten Nichten und Neffen von Chefs, von Praktikanten, von Schülern, schlicht von Laien gemacht wird. Ob die Qualität ausreichend ist, ist eine ganz andere Frage. Es funktioniert. Irgendwie.

Zitat:
Stell nen völlig Ahungslosen an ne Druckmaschine, schalte sie an und zeig ihm wo die Farbe reinkommt. Mal sehen wie lange er braucht bis er nur !einen! (keine Doppelbogen) Bogen durch die Maschine hat.

Ach schnickschnack, die Drucker von heute haben lackierte Nägel und tragen hochhackige Schuhe: Strg+P+Enter. Das ist ein riesen Druckmarkt heutzutage, der immer größer wird.

Geh mal auf die nächste Xerox-Messe und schau mal ob Du nen Drucker findest. Für jeden Drucker, den Du findest, geb ich Dir nen Bier aus. Du wirst sicherlich mit dem Auto nach Hause fahren dürfen. Versprochen.

Klar muss man noch zur Zeit ne Menge können, um ne Offsetmaschine zu bedienen. In 2-3 Jahren wird kein Drucker mehr lernen müssen, wie man Zonen selbst einstellt. Genausowenig, wie heute noch ein Mediengestalter lernt, Filme per Hand zu retouschieren, die meisten sehen überhaupt Filme nur noch in der Berufsschule.

Es gibt sie noch die Drucker. Aber man wird in Zukunft immer mehr danach suchen müssen, zumindest, wenn sich der Ausbildungsberuf "Drucker" (in allen Ausprägungen) sich nicht ratzfatz hin zu einem Druck- und Medienoperater wandelt. Ich bin neulich bei Axel Springer in Ahrensburg durch den Betrieb gelaufen. Das ist schon eine ziemlich gespenstische Atmospäre, wenn man da durch den Betrieb läuft.

Zitat:

Natürlich geht der Wandel weiter - wahrscheinlich wird es in 15 -20 Jahren das alles so nicht mehr geben wie heute und fortbildung ist immer gut.

Ich garantiere Dir, dass Du Dich keine 15 Jahre mehr gedulden musst.

Zitat:
Klar mag es Drucker geben, die so reden. Das liegt aber auch oft daran, dass der Drucker alles ausbaden muss was vorher schief gelaufen ist. Da kommen Kunden und haben irgendwelche Vorstellungen oder Ausdrucke und wollen das haben obwohl die Daten das überhaupt nicht hergeben. Und dann heißt es, warum geht das nicht, mein Tintenstrahler kann es ja auch....

Einige Drucker, die ich kenne, bekommen es noch nicht einmal hin einem Fachmann zu erklären, woran das liegt und wieviel sie dazubeitragen sollen oder können.


Zitat:
Au weia! Oder ein "Designer" legt schöne Haarlinien an, oder ne schöne Vollfläche und 90iger Raster darin, oder ne Vollfläche und ne ganz feine ausgesparte Schrift. Da fragt man sich echt - haben die überhaupt ne Ahnung??? Und genau deswegen bin ich auch hier, weil die Mediengestalter hier wenigstens Fragen ob sowas geht und ich ihnen darauf auch ehrlich antworten will. Das finde ich wirklich gut - manche "Dipl. Designer" interessiert es nämlich überhaupt nicht ob das möglich ist oder nicht!

Aha, siehst Du. Das sind Kompetenzen, die in Zukunft eine printnaher Fachmann braucht. Glaub mir Farbkasten-Abrüsten wird nicht mehr zu seinen Aufgaben gehören. So etwas kann man Hilfskräfte machen lassen, falls es überhaupt nötig ist.

Zitat:
Und du musst daran denken: die "alten" Drucker früher waren eben die "Kings" - sie waren super bezahlt und der Drucker war hoch angesehen. Das ist heute nicht mehr so aber in deren Köpfen hat sich das wohl nie geändert.

Ein wirklich guter Drucker genießt hohes Ansehen bei mir. Ich bewundere die Excellence und den Enthusiasmus mit der wirklich viele Drucker ihren Job ausüben. Was ich nicht leiden kann, ist diese Unreflektiertheit und Arroganz, die viele Leute in der Druckvorstufe, in Werbeagenturen, auf Kundenseite, auf Management-Ebene und in vielen anderen Bereichen Druckern entgegenbringen.

Was ich aber ebensowenig abhaben kann, und die gibt es unter den Druckern zu genüge, sind Leute, die von dem was sie tun, so überzeugt sind und ihre Nase so hoch tragen, dass sie das schmale Seil nicht mehr sehen, auf dem sie laufen. Wenn mir z.B. ein Drucker an einer Maschine mit einem Farbregelungssystem in einem Betrieb, der nach ProzessStandardOffset zertifiziert ist, auf seinen Zonentasten Klavierspielend glaubhaft machen will, dass er der "Hüter" der Farbe sei und derjenige sei, der am meisten auf die Farbe Einfluss nähme, dann könnte ich kotzen. Nicht weil, der Drucker in dem Moment seinen Job nicht macht, sondern weil er trotz umfangreicher Schulung einfach nicht verstehen will, dass er nichts mehr in der Farbeinstellung verloren hat und gleichzeitig die Arbeit vieler Vorstufenleute zunichte macht.

edit: Was ich vorhin vergessen habe und noch hinzufügen möchte: Auch unter dem Aspekt der Bezahlung bin ich sehr skeptisch, was die Zukunft des Drucker-Berufes angeht. Es ist sicherlich nicht jedem Mediengestalter bewusst, aber ein Drucker, der nach Tarif bezahlt wird, in NRW beschäftigt ist, ein paar Jahre Erfahrung hat und Nachts, an Feiertagen und am Wochenende druckt, schafft es ganz vorsichtig geschätzt locker auf eine Bezahlung von 30.000 Brutto. Bei 35 bis 40 Stundenwoche und vollem Lohnausgleich bei Überstunden. In vielen mehrschichtigen Betrieben bekommen die Drucker ein sogenanntes Antrittsgeld: Geld damit sie zum Dienst erscheinen. Versteht mich nicht falsch, ich gönne den Druckern ihren Lohn, aber trotzdem wird man in Zukunft die Frage beantworten müssen, ob diese Bezahlung der Tätigkeit angemessen ist. Frag mal hier rum, wer als Mediengestalter Geld dafür bekommt, das er zur Arbeit erscheint.


Zuletzt bearbeitet von bauchbieber am Sa 03.05.2008 00:30, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Beluga

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Verfasst Sa 03.05.2008 01:14
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... gut, ich glaube wir verstehen unter "Drucker" etwas total unterschiedliches.

Ich bin für die Maschine verantwortlich. Im Moment ist es immer noch so, dass die Maschine eben nicht alles alleine macht.
Sicherlich kann vieles von Hilfsarbeitern gemacht werden - aber ein Drucker sollte seine Maschine eben so ausrüsten können, dass sie läuft. Und dazu gehört auch, dass er Walzen justiert, diese ein und ausbauen kann, die Maschine wartet und pflegt, und sich ständig auf neue Situationen einstellt.

Zitat:
Schauen wir uns mal im modernen Bogenoffset um: Die Farbzonen werden jetzt schon automatisch per Image-Control eingestellt. Inline-Messung gibt es für Farbe auch schon. Es existieren ebenso Verfahren, um den Passerversatz inline zu messen und natürlich auch automatisch zu regeln. Feuchtmittel ist eine Sache, die man schon lange automatisch kontrollieren kann und an Dingen wie Feuchtmittelzusammensetzung, Gummitücher oder andere "Justierungen" hat der Drucker eigentlich so schnell nichts verloren.


Doch - genau da hat er was zu suchen und da sollte er sich auskennen. Denn nichts ist schlimmer als sich auf die Hersteller zu verlassen. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass mind. 1mal im Viertel Jahr jede "Standartisierung" über den Haufen geworfen wird weil:

Der Farbenhersteller einfach mal andere Pigmente in die Farbe mischt..
Oder der Feuchtmittelhersteller die Zusammensetzung "Verbessert" hat....
Oder die Gummituchserie eingestellt wurde....
Das Papier auf einmal so viele Füllstoffe intus hat, dass man keine 2000 Bogen drucken kann ohne das Gummituch von Hand zu schrubben....
Oder diese schöne neue Computerwelt Image Control nur rumspinnt und alles von Hand gestellt werden muss....
Oder dass der Kunde neben der Maschine steht und von Druckstandart überhaupt nichts wissen will, weil er sein Rasen viel saftiger haben will!

Ganz ehrlich verstehe ich aber auch nicht, warum z.b. ein junger Ausgelernter Drucker keine Farbe mischen kann? Nicht nach Rezept... sondern der Kunde kommt und sagt diese Farbe möchte er. Ein Drucker muss in der Lage sein, ohne Rezept diese Farbe nahezu perfekt zu treffen. Aber anscheinend ist das nicht mehr gefragt - es gibt ja den Pantonefächer bei dem die Rezepte auch 100%tig stimmen *balla balla*

Ich bin gelernter Drucker, kenne die Heidlberger Maschinen sowie Ryobi in und Auswendig. In den letzten 6 Jahren habe ich mir alles angeeignet was es in der Druckerei zu tun gibt (ausser Buchhaltung). Von Falzen, Heften, Papierschneiden, Rillen, Stanzen (mit Tiegel), Prägen, Nummerieren, Perforieren, Ausliefern, Kalkulation, Kundengespräche, Rechnungen schreiben, Daten überprüfen, Ausschießen, PDF´s schreiben, die gängigsten Satzprogramme (Corel, Quark, Freehand, Illu, usw. - Keine Angst, ich mach keinen auf Mediengestalter, lediglich kleinere überarbeitungen wie Namen ändern oder Telefonnummern) über Plattenbelichtung, Plattenbelichter, Ripsoftware usw usw usw.

Naja, jetzt bin ich nicht mehr so oft an der Maschine - und ich muss sagen als Drucker hatte ich ein ruhigeres Leben.

Der Klassische Druckerberuf wird sicherlich so nicht mehr lange existieren - genauso wird es auch bei den Mediengestaltern sein. Diese Berufe werden sich so sehr vermsichen dass wahrscheinlich ein ganz neues Berufsbild ensteht - so ähnlich wie der Mechatroniker....


Zuletzt bearbeitet von Beluga am Sa 03.05.2008 01:16, insgesamt 1-mal bearbeitet
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bauchbieber

Dabei seit: 22.11.2005
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Verfasst Sa 03.05.2008 13:29
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Beluga hat geschrieben:
... gut, ich glaube wir verstehen unter "Drucker" etwas total unterschiedliches.

Ich bin für die Maschine verantwortlich. Im Moment ist es immer noch so, dass die Maschine eben nicht alles alleine macht.
Sicherlich kann vieles von Hilfsarbeitern gemacht werden - aber ein Drucker sollte seine Maschine eben so ausrüsten können, dass sie läuft. Und dazu gehört auch, dass er Walzen justiert, diese ein und ausbauen kann, die Maschine wartet und pflegt, und sich ständig auf neue Situationen einstellt.

Wir müssen uns immer klar darüber sein, worüber wir sprechen. Du sprichst von einer IST-Situation im Bogenoffset, also von modernen Maschinen, die schon im Schnitt sagen wir 3-4 Jahre alt sind, d.h. vor sagen wir 6-8 Jahren entwickelt worden sind. Du hast vollkommen Recht mit dem was Du sagst.

Ich spreche von einer Gesamtsituation im Akzidenzdruckbereich. Du sprichst von einem Horizont von 15-20 Jahren. War es vor 15 Jahren, also 1988 denkbar, dass man mal eine Maschine von der Größe eines Kopierers in der Ecke stehen hat, auf der mit wenigen Stunden Einweisung jede Sekretärin einen 32-Seiter erstellen können wird? Komplett ausgeschossen, gesammelt, gedruckt, gefalzt und geheftet? Farbig und von einem Offsetdruck für einen Laien nicht mehr ohne weiteres zu unterscheiden?

Zitat:

Doch - genau da hat er was zu suchen und da sollte er sich auskennen. Denn nichts ist schlimmer als sich auf die Hersteller zu verlassen. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass mind. 1mal im Viertel Jahr jede "Standartisierung" über den Haufen geworfen wird weil:

Der Farbenhersteller einfach mal andere Pigmente in die Farbe mischt..
Oder der Feuchtmittelhersteller die Zusammensetzung "Verbessert" hat....
Oder die Gummituchserie eingestellt wurde....
Das Papier auf einmal so viele Füllstoffe intus hat, dass man keine 2000 Bogen drucken kann ohne das Gummituch von Hand zu schrubben....
Oder diese schöne neue Computerwelt Image Control nur rumspinnt und alles von Hand gestellt werden muss....
Oder dass der Kunde neben der Maschine steht und von Druckstandart überhaupt nichts wissen will, weil er sein Rasen viel saftiger haben will!


Und jetzt müssen wir uns wieder darüber unterhalten, worüber wir sprechen. Ein durchschnittlicher Drucker ist meist nicht in der Lage, einen kompletten Prozess so einzustellen, dass der gesamte Workflow (damit meine ich von Dateneingang bis zur Druckabnahme) nach z.B. ISO 12647 arbeitet. Ich garantiere Dir, ohne Deine Fähigkeiten anzweifeln zu wollen, dass Dir die nötigen Kenntnisse dazu ebenfalls fehlen. Genauso wie mir als Mediengestalter und Druckingenieur die Erfahrung fehlt um jemals ohne Ausbildung an einer großen Maschine effizient drucken zu können. Darin bin ich aber auch nicht ausgebildet worden, weder in der Ausbildung noch an der Universität.

Ein Drucker wird in Deutschland ganz gut ausgebildet und hat auch ein interessantes und umfangreiches Aufgabenspektrum. Die ständige Prozessüberwachung gehört zu seinen Aufgaben, auch z.B. die Überwachung des Farbprozesses. Zu seinen Aufgaben gehört es aber nicht, bei Parameteränderungen selbstständig gegenzusteuern. Warum? Weil der Drucker meist nicht weiß, wie weitreichend seine Änderungen sein können, wenn er selbstständig ein Gummituch eines anderen Farbikates einbaut. Ebensowenig hat er irgendetwas selbstständig zu ändern, wenn sich z.B. die Prozessfarbe in der Pigmentierung ändert. Der Drucker hat überhaupt keine sinnvolle Handhabe in diesem Fall. Es gibt genügend Drucker, die so selbstherrlich arbeiten, dass sie z.B. einfach eine geringere Dichte fahren, um die höhere Pigmentierung auszugleichen. Solche Prozessänderungen sind in einem ordentlichen Arbeitsablauf zu überwachen, zu protokollieren und ggf. zu melden.

Ein Papier, das nicht maschinengängig ist, ist nicht das Problem des Druckers, sondern des Qualitätsmanagements. Natürlich kann es mal zum Problem des Druckers werden, nämlich dann, wenn kein anderes Papier zur Verfügung steht.

Ich sehe das rein Betriebswirtschaftlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass Image Control sagen wir einmal im Jahr ausfällt ist eine im Servicegrad berücksichtigte Sache und in meiner Kalkulation enthalten, dafür gibt es einen schnellen Kundenservice und Service-Verträge. Was man deshalb nicht benötigt, sind viele hochbezahlte Drucker, die für diesen seltenen Fall selbstständig Farbe einstellen können. Ebensowenig braucht man Mediengestalter, die im Fotosatz arbeiten können, falls mal die Rechner ausfallen.

Und was das Kunden-neben-der-Maschine-Argument angeht: Es ist wichtig, dem Kunden klar zu machen, dass er Proofs abgenommen hat, und dass wenn der Rasen grüner werden soll, ein neuer Druck fällig wird. Der Drucker hat sich an den Standard zu halten und fertig. Alles andere ist Blödsinn. Als erfahrener Produktioner in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Drucker kann man in engen Grenzen notfalls auch an der Maschine mal die Farbe beeinflussen. Diese Einflussnahme sollte aber nicht die Regel sein.


Zitat:
Ganz ehrlich verstehe ich aber auch nicht, warum z.b. ein junger Ausgelernter Drucker keine Farbe mischen kann? Nicht nach Rezept... sondern der Kunde kommt und sagt diese Farbe möchte er. Ein Drucker muss in der Lage sein, ohne Rezept diese Farbe nahezu perfekt zu treffen. Aber anscheinend ist das nicht mehr gefragt - es gibt ja den Pantonefächer bei dem die Rezepte auch 100%tig stimmen *balla balla*

Sonderfarben anmischen ist eine völlig andere Sache. Natürlich muss das ein Drucker können, auch wenn es immer weniger gefragt ist, das die Mischmaschinen automatisch arbeiten und die Sonderfarben auftragsspezifisch bestellt werden. Das habe ich aber nicht gemeint, das weißt Du aber auch.

Zitat:
Ich bin gelernter Drucker, kenne die Heidlberger Maschinen sowie Ryobi in und Auswendig. In den letzten 6 Jahren habe ich mir alles angeeignet was es in der Druckerei zu tun gibt (ausser Buchhaltung). Von Falzen, Heften, Papierschneiden, Rillen, Stanzen (mit Tiegel), Prägen, Nummerieren, Perforieren, Ausliefern, Kalkulation, Kundengespräche, Rechnungen schreiben, Daten überprüfen, Ausschießen, PDF´s schreiben, die gängigsten Satzprogramme (Corel, Quark, Freehand, Illu, usw. - Keine Angst, ich mach keinen auf Mediengestalter, lediglich kleinere überarbeitungen wie Namen ändern oder Telefonnummern) über Plattenbelichtung, Plattenbelichter, Ripsoftware usw usw usw.

Nochmal: Wie es meiner Meinung nach in Zukunft laufen wird, ist dass 1 Drucker mit 3 Hilfsarbeitern an 3 Maschinen druckt. Die Hilfsarbeiter sind schnell anlernbar und übernehmen einfache Aufgaben. Der Drucker ist dabei nur noch der Problemlöser und macht genau das, wofür sich eine aufwendige Ausbildung lohnt: Wartungsarbeiten, Prozesskontrolle, Hilfsarbeiter anleiten, in Kommunikation mit der Vorstufe stehen, bei wichtigen Andrucken mit Kunden selbst mit an den Leitstand gehen usw. Farbkästen lehrspachteln und Papiervorstapeln wird nicht zu seinen Aufgaben gehören. Die Kenntnisse, die Du oben aufführst sind genau die Kenntnisse die wichtig sind: Denken in Prozessen, einen Schritt über die eigene Maschine hinausdenken. Das sind aber leider nicht die Kenntnisse, die immer ausreichend in der Berufsschule vermittelt werden.

Zitat:
Der Klassische Druckerberuf wird sicherlich so nicht mehr lange existieren - genauso wird es auch bei den Mediengestaltern sein. Diese Berufe werden sich so sehr vermsichen dass wahrscheinlich ein ganz neues Berufsbild ensteht - so ähnlich wie der Mechatroniker....

Jaaa. Richtig, jetzt verstehen wir uns. Der Drucker wird mit anderen Aufgaben betraut werden, dazu gehört hauptsächlich, dass er nicht mehr druckt. Die Hilfsarbeiter kann man natürlich auch weiterhin als "Drucker" bezeichnen. Wenn sich nichts in der Ausbildung ändert, befürchte ich, dass der klassische Druckerberuf genau darauf zusteuert. Der Drucker wird zum austauschbaren und im folgenden auch schlechter bezahlten Hilfsarbeiter, während die Aufgaben die ich oben geschildert habe von z.B. Medientechnikern übernommen werden.

Bei den Mediengestaltern sehe ich das Problem noch nicht so akut, wie bei den Druckern. Ein Mediengestalter ist im Gehalt nicht so teuer wie ein Drucker und der Stundensatz der Kostenstelle ist wegen der billigen Technik bei einem Mediengestalter wesentlich geringer. Der Kostendruck ist einfach geringer.

Wenn Du so willst, hat der gleiche Umbruch in der Mediengestaltung schon vor 15 Jahren angefangen und ist noch längst nicht abgeschlossen. Jeder kann einen PC bedienen und jeder bekommt es mittlerweile hin, sich aus Vorlagen in irgendwelchen Programmen in windeseile etwas sogar relativ brauchbares zusammenzufrickeln. In China arbeiten Freistell-Mannschaften in großen Säälen, ähnlich den Nähereien des vergangenen Jahrhunderts, zu Löhnen unter 1 EUR/Std.
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2MASH

Dabei seit: 17.11.2007
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Verfasst Sa 03.05.2008 13:56
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Zitat:
Und was das Kunden-neben-der-Maschine-Argument angeht: Es ist wichtig, dem Kunden klar zu machen, dass er Proofs abgenommen hat, und dass wenn der Rasen grüner werden soll, ein neuer Druck fällig wird. Der Drucker hat sich an den Standard zu halten und fertig. Alles andere ist Blödsinn. Als erfahrener Produktioner in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Drucker kann man in engen Grenzen notfalls auch an der Maschine mal die Farbe beeinflussen. Diese Einflussnahme sollte aber nicht die Regel sein.


Das mag sich in der Theorie gut anhören. Ist aber in der Produktion schon fast der Regelfall bei Druckabnahmen mit Kunden. Hier ein bisschen mehr Magenta, da ein bisschen weniger Yellow und schon hat man in seinem CCI eine wunderschöne Skyline. Das Proofs nicht 100% an den späteren Druck rankommen kann man den Kunden ja ruhig vorher sagen. Sie probieren es trotzdem.
Das hat natürlich nichts mehr mit Standard zu tun.


Zuletzt bearbeitet von 2MASH am Sa 03.05.2008 13:56, insgesamt 1-mal bearbeitet
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EHST
Threadersteller

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Verfasst Sa 03.05.2008 14:08
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Was bin ich froh, dass ich mit diesen hochmodernen Maschinen und (automatisierten) Prozessen wahrscheinlich nie etwas zu tun haben werde.
Ich verstehe, was Du, Bauchbieber, meinst und damit wirst Du wohl auch recht haben, deshalb sage ich dazu mal gar nichts mehr. ich bin froh, dass ich an der guten SM 52 stehe und noch Drucker sein kann und nicht nur Knöpfchendrücker und Wachpersonal. So habe ich als Drucker wenigstens noch die Aufgabe zu entscheiden, was gut aussieht und was nicht. Da stehe ich wenigstens noch schwitzend und fluchend an der Maschine und ruder mit den Armen, dass auch alles schön gleichmäßig ist. *ha ha* Und wenn dann mal was kaputt ist, kann ich schmutzig und entnervt über Heidelberg fluchen, dass man nirgends rankommt und mir dann ein Pflaster schnappen...

So macht das Druckersein wenigstens Spaß. *hehe*
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2MASH

Dabei seit: 17.11.2007
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Verfasst Sa 03.05.2008 14:39
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Ich hoffe das war ironisch gemeint.
Mit einer SM52 wirst du wohl kaum alt werden.
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